Bewerberaufgaben sind nur Zeitverschwendung...

Diskutiere Bewerberaufgaben sind nur Zeitverschwendung... im Allgemeine Java-Themen Bereich.
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luftraus

Heute habe ich zum (gefühlt) 100ten Mal folgendes erhalten: "Unser Recruiting Prozess startet immer mit einem kleinen Java Test [...] Der Test enthält folgende Punkte (Verfügbare Zeit: 221 Minuten): ".

Nein, nicht alle machen das, sondern nur Programmierer lassen das mit sich machen.

Ich habe echt nicht die Zeit fast 4h pro Bewerbung für solchen Mist zu verlieren.

Wer von euch erledigt solche Aufgaben?!
 
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LimDul

Gegenfrage: Eine Bewerbung kostet mehr als 4 Stunden Zeit (Anschreiben, Anreise, Bewerbungsgespräch, Abreise). Fällt das wirklich derartig ins Gewicht?
Wie soll sonst ein Unternehmen sicherstellen, dass jemand, der sich als Entwickler bewirbt das auch kann?

Anmerkung: Ich sitze teilweise am anderen Ende und lese die Ergebnisse der Bewerberaufgaben.
 
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JustNobody

Also fast 4h ist schon einiges - HR bei uns verschickt Aufgaben mit einem Volumen von 90 min. Aber das ist auch nur eine maximale Zeit - die Aufgaben sollten in der Regel schneller bearbeitet worden sein und es liegt am Bewerber zu schauen, was er da machen will oder nicht ...

Und eine Bewerbung kostet Zeit. So Online Aufgaben habe ich nur einmal aus Spass erledigt (Da durfte ich halt Aufgaben im C++ Umfeld für HR aussuchen - bin halt auch am anderen Ende). Aber ja:natürlich ist es üblich, dass getestet wird. Und das finde ich sogar sehr gut, denn man will ja auch, dass es passt. Was nützt mir der neue Job, wenn der neue AG sich etwas anderes vorgestellt hat und ich in der Probezeit wieder gehen darf?

Bei einer großen Bewerbung war ich z.B. einen Tag bei der Firma vor Ort und neben Gesprächen waren da mehrere praktische "Tests" mit drin. Da ging es aber mehr um Design und Fehlersuche/Lösungsfindung und sowas - nicht um das Schreiben von Code.
 
H

httpdigest

Ich kann da @JustNobody nur zustimmen. Bei dem Kunden, bei dem ich aktuell bin, kommen auch häufig neue potenzielle Bewerber und diese verbringen ein-zwei Tage gleich in dem jeweiligen Team, für das sie angedacht sind, und arbeiten gleich pairprogrammingmäßig mit. Da kann man dann zumindest schonmal ein bisschen sehen, ob sie mitkommen und eigene Ideen einbringen und vorallem, was das allerallerwichtigste ist: Im Team arbeiten können. Was ja auch sehr wichtig ist: Ob die Chemie im Team dann stimmt und die Atmosphäre einfach passt.
Aufgaben werden aber nicht gestellt, sondern es wird im täglich Doing ermittelt, ob die Leute ins Team passen oder nicht.
 
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LimDul

Ich kann da @JustNobody nur zustimmen. Bei dem Kunden, bei dem ich aktuell bin, kommen auch häufig neue potenzielle Bewerber und diese verbringen ein-zwei Tage gleich in dem jeweiligen Team, für das sie angedacht sind, und arbeiten gleich pairprogrammingmäßig mit. Da kann man dann zumindest schonmal ein bisschen sehen, ob sie mitkommen und eigene Ideen einbringen und vorallem, was das allerallerwichtigste ist: Im Team arbeiten können. Was ja auch sehr wichtig ist: Ob die Chemie im Team dann stimmt und die Atmosphäre einfach passt.
Aufgaben werden aber nicht gestellt, sondern es wird im täglich Doing ermittelt, ob die Leute ins Team passen oder nicht.
Wobei das natürlich schon ein gewisses Investment von beiden Seiten ist. Wie wird den vorgefiltert wer so weit kommt?

Das oben war von mir bewusst erstmal sehr knapp formuliert, der eigentliche Prozess ist:

* Der Bewerber erhält eine (ziemlich simple) Programmieraufgabe, für die er 2 Wochen Zeit hat. Je nach Level auf das er sich bewirbt mit mehr oder weniger Anforderungen, die an die Lösung gestellt werden (Trainees bekommen klare Dinge, was erwartet wird, bei erfahreneren Leuten wird erwartet, dass die das selber wissen). Die Aufgabe selber kann man in unter 1 Stunde programmieren wenn man gut ist.
* Die Lösung wird dann von erfahrenen Entwicklern angeschaut und bewertet. Wenn die nicht total Grütze ist, gibt es ein Telefoninterview, das aus zwei Teilen besteht:
** Der Bewerber erklärt was er gemacht hat (Nervösität nehmen, man kann prüfen ob er es selber entwickelt hat oder ob er es von jemand anderen hat programmieren lassen)
** Musterlösung wird gezeigt und er soll da eine kleine Ergänzung (remote über Teamviewer) vornehmen.
Danach wird entschieden ob er eine Einladung zu Bewerbungsgespräch bekommt oder nicht (Die Tendenz ist danach auch => Wer eine Einladung bekommt, hat auch sehr gute Chancen auf eine Zusage, sofern es nicht anderen Faktoren wie Gehalt scheitert)

Das hilft ungemein um zu erkennen, wie jemand an Probleme rangeht ob das grundlegende Verständnis da ist. Ob man also erwarten kann, dass diese Person auf das Level kommt, dass man braucht um vernünftig Enterprise Software zu entwickeln.

Es hat sich nämlich gezeigt, dass die reine Kontrolle der Aufgaben nicht reicht. Da kommen teilweise so schlampige Lösungen, das man sich fragt, ob den Leuten eigentlich bewusst, dass sie sich mit der Lösung gerade selbst präsentieren. Wenn das ein Bewerbungsschreiben wäre, würde es vermutlich direkt in Ablage P landen. Um die Leute nicht von vorneherein abzulehnen gibt es halt das Telefoninterview.

Ich sehe an dem Vorgehen mehrere Vorteile:
* Man bekommt ein - im Verhältnis zu der investierten Zeit - einen guten Eindruck von den Java-Fähigkeiten des Bewerbers.
* Wir versuchen die Aufgaben anzusehen ohne uns vorher zu sehr mit dem Bewerber zu beschäftigen. Das macht meines Erachtens das ganze Verfahren objektiver, weil mich Alter, Geschlecht, Herkunft beim Code nicht interessieren und sich daher gut ausblenden lassen bzw. ich die Infos teilweise auch gar nicht habe.
 
L

LimDul

Nachtrag noch bezüglich des Zeitaufwandes. Wenn ein Unternehmen einen Bewerber einstellt, investiert es grob geschätzt in dem Segment einen 5-stelligen Betrag in den Bewerber. Das ist:
* Gehalt (bis der Bewerber dann anfängt Mehrwert zu genieren)
* Aufwand für die Einarbeitung
* Materialkosten wie Hardware etc.

Trainees, die frisch von der Uni kommen durchlaufen bei uns ca. 3 Monate Traineeprogramm mit Schulungen, Einarbeitungsaufgaben etc. Das heißt, in dem Zeitraum kosten sie nur Geld (weil sie nichts produzieren, womit wir Geld verdienen) und binden Kapazitäten von erfahrenen Leuten, die die betreuen, die also weniger Stunden auf fakturierbare Arbeit verbringen können. Und wenn man solche Summen investiert ist es denk ich auch nachvollziehbar, dass diese Entscheidung auch soliden Füssen stehen sollte. Keiner kauft sich hoffentlich einen Neuwagen und investiert in die Auswahl auch nur 2 Stunden. Oder gibt einen Hausbau in Auftrag und beschäftigt sich nur einen halben Tag vorher mal damit.

Blöd ist natürlich auf Seitens des Bewerbers, dass man diesen Aufwand bei mehreren Bewerbungen ggf. mehrfach machen muss - auf der anderen Seite hilft es, dass man vermutlich auf die Stelle, die man dann bekommt, auch ganz gut passt. Den ein Job der einen über- oder unterfordert macht einen auch nicht glücklich - im Gegenteil.

Und mal ganz polemisch: Wenn es trotz zig Bewerbungen und Bewerberaufgaben nicht klappt - bewirbt man sich auf Stellen für die man wirklich geeignet ist? Dann muss man ggf. sich vielleicht mal selber hinterfragen (ist von außen immer sehr sehr schwer zu beurteilen, daher bitte nicht persönlich nehmen)
 
J

JustNobody

Und mal ganz polemisch: Wenn es trotz zig Bewerbungen und Bewerberaufgaben nicht klappt - bewirbt man sich auf Stellen für die man wirklich geeignet ist? Dann muss man ggf. sich vielleicht mal selber hinterfragen (ist von außen immer sehr sehr schwer zu beurteilen, daher bitte nicht persönlich nehmen)
Ok, Dank Corona sieht es ggf. derzeit nicht mehr ganz so aus, wie noch Anfang Januar, aber wenn man sich in einem bereich bewirbt, in dem händeringend Leute gesucht werden, dann sollte man sehr gut über jede Ablehnung nachdenken:
a) Wieso habe ich mich beworben? (Ich war immer der Meinung: Ich passe auf die Stelle und die Stelle passt zu mir. War das wirklich der Fall? Habe ich mich das überhaupt gefragt?
b) Was wurde mir den so durch die Blume gesagt? Wie waren die Reaktionen im Gespräch? Heutzutage sagt HR eigentlich nichts mehr groß. Das haben wir unseren tollen Gerichten zu verdanken, denn HR wird dadurch direkt verklagbar. Das finde ich teilweise extrem schade - denn meine Erfahrung mit HR Mitarbeitern ist so, dass die oft eine extrem gute Menschenkenntnis haben und viele interessante Dinge sehen. Die Interne Besprechungen über Kandidaten sind da zumindest für mich immer wieder sehr interessant.
 
W

White_Fox

Ich sitze weder auf der anderen Seite des Schreibtisches, noch bin ich irgendwie in der Softwareentwicklung tätig, aber dreieinhalb Stunden für einen automatisierten Vorabtest ist wirklich etwas viel Zeit, die da reingeht. Auch die 90min von @JustNobody finde ich schon etwas lang. Wie gesagt - immer unter der Maßgabe, daß das jede Firma so machen würde.

Es ist natürlich verständlich, daß die Firma die Zeit ihrer PA-Mitarbeiter (Ich mag das Wort HR absolut nicht) nicht mit absoluten Idioten verplempern will. Aber für solche Riesentests muß ich die Stelle - nicht irgendeine, sondern DIE - schon wollen.

Andererseits habe ich in meiner letzten Bewerbungsrunde (Kleinkramstelle, um mein Einkommen neben meiner Abschlußarbeit etwas zu verbessern) feststellen müssen, daß in den Personalabteilungen vieler Firmen wirklicher Fachkräftemangel herrscht. Man darf halt nicht vergessen: Auch die Firma stellt sich dem Bewerber vor, und ich gehe für gewöhnlich nicht als Bittsteller, sondern habe etwas anzubieten. Und wenn das dann schon so läuft:

-Eine Firma war nicht in der Lage, ein Arbeitsverhältnis als Zweitarbeitsstelle zu führen, da hätte die PA nicht Mittel/Kompetenz/Lust, entsprechend von irgendeinem Standardprozess abzuweichen

-Eine andere Personaltante hat sich ganz arg an der exakten Bezeichnung aufgehangen. Vorheriger Telefonanruf:
-> Guten Tag, ich sehe auf ihrer Webseite daß sie einen Hardwareentwickler suchen, ist das Stellenangebot noch aktuell?
PA-Tante: Nein, wir haben ein solches Stellenangebot nicht offen.
-> Doch doch, zumindest steht das dort auf ihrer Webseite. Aber wenn das nicht mehr aktuell ist...
PA-Tante (klickt auf ihrem Rechner rum) ...ja, wir suchen einen Entwicklungsingenieur...
Ich kenne niemanden, der diesen Job macht und kein Studium durch hat, eigentlich sehe ich das als selbstverständlich. Ich fragte noch wo für sie denn da der Unterschied sei, da kam noch ein wirklich patziges "Sie können ihre Bewerbung ja mal einreichen" und hat sofort aufgelegt.
Eine Bewerbung habe ich selbstverständlich nicht mehr eingereicht.

Und noch zwei oder drei anderer solcher Unarten...und ganz ehrlich: Bevor ich meine Zeit mit solchen Kaffeevernichtern vergeude, eine Bewerbung braucht schließlich auch seine Zeit wenn man nicht 0815-Kram wegschickt, setze ich mich lieber eine halbe Stunde oder so hin, beantworte ein paar Fragen. Und habe dafür diesen Scheiß, den ich grad beschrieben habe, nicht.
 
B

Barista

Ich kenne niemanden, der diesen Job macht und kein Studium durch hat, eigentlich sehe ich das als selbstverständlich. Ich fragte noch wo für sie denn da der Unterschied sei, da kam noch ein wirklich patziges "Sie können ihre Bewerbung ja mal einreichen" und hat sofort aufgelegt.
Eine Bewerbung habe ich selbstverständlich nicht mehr eingereicht
Ich fände es schade, eine Firma nach einer Mitarbeiterin einzuschätzen.
Die "PA-Tante" sortiert die Bewerbungen doch nur vor, die Entscheidung über einen Arbeitsvertrag fällen Andere.
 
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White_Fox

Ich fände es schade, eine Firma nach einer Mitarbeiterin einzuschätzen.
Es ging mir da weniger um das Mißverständnis an sich, sondern um den Ton der da die Musik gemacht hat.

Wenn eine Firma sich schon eine derart arrogante, unfreundliche und offensichtlich ablehnende Haltung beim Erstkontakt leistet, dann sagt mir das schonmal etwas über die Personalkultur, die da herrscht. Ich hatte da auf ein weiteres Gespräch schon keine Lust mehr gehabt und ich sah auch keinen Grund, das sich das im Nachhinein signifikant gebessert hätte. Und wie gesagt: das klang mir nicht nach einfach nur mieser Laune (obwohl selbst das schon höchst unprofessionell wäre), schlecht gelaunt war die eigentlich nicht, sondern eher wie im Character eingebaut.
 
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LimDul

Ich fände es schade, eine Firma nach einer Mitarbeiterin einzuschätzen.
Die "PA-Tante" sortiert die Bewerbungen doch nur vor, die Entscheidung über einen Arbeitsvertrag fällen Andere.
Ich kann da @White_Fox schon verstehen. Auch eine HR-Abteilung spiegelt die Unternehmenskultur wieder. Wenn man sich da schon beim Erstkontakt nicht ernstgenommen fühlt/herablassend behandelt fühlt ist man im Bereich IT aktuell in der guten Situation dann auch einfach zu sagen "Nö, das Unternehmen ist mir meine Zeit nicht wert".

Klar kann jemand immer mal einen schlechten Tag haben, aber der Bewerbungsprozess hat immer zwei Seiten:
* Das Unternehmen will wissen "Passt der MItarbeiter bei uns rein, wird den Anforderungen die wir an der Stelle an stellen gerecht"
* Der Mitarbeiter will wissen "Fühle mich in den Unternehmen wohl, bekomme ich Aufgaben die zu meinen Fähigkeit passen, sehe ich eine Chance in dem Unternehmen mich weiterzuentwickeln, werde ich adequat bezahlt"

In vielen Branchen ist leider so, dass man als Bewerber Friss oder Stirb hat - weil halt die Auswahl nicht da ist und man lieber eine nicht so tolle Stelle nimmt als gar keine. Aber in der IT ist es an vielen Stellen anders - da kann man als Bewerber auch selbstbewusst sagen "Nein, die Stelle will ich nicht", weil es genug andere Stellen gibt.
 
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